Liechtenstein pflegt hingebungsvoll eine Tradition.
Es wäre mal schön, wenn ein internationaler Finanzskandal ohne Liechtensteiner Beteiligung stattfände. Dieser Stossseufzer eines anonymen politischen Entscheidungsträgers des Fürstentums bleibt leider, obwohl das Ländle stockkatholisch ist, ungehört.
Genauer müsste man sagen: kein Finanzskandal, in den nicht ein Liechtensteiner Treuhänder verwickelt ist. Dafür, dass es nur eine Handvoll davon gibt, entwickeln die eine beachtliche kriminelle Energie. Dekantieren, fremdes Gut aneignen, veruntreuen (trotz des Namens!), alle Formen von fiesen Tricks, beachtlich.
Aber diese Tradition der Skandale reicht auch weit in die Vergangenheit zurück, wie das Liechtensteiner «Vaterland» mal verdienstvoll zusammenstellte.
Schon 1929 verursachten die Verwalter der Sparkassa einen Skandal. Sie veruntreuten Gelder für Spekulationsgeschäfte, die haftenden Gemeinden mussten ihren Boden verpfänden. Dann aber übernahm Fürst Johann II. durchlauchtigst die Haftung.
1935 wurde der Steuerverwalter Ludwig Hasler von seinem Posten entfernt, weil er trotz seiner Verbeamtung noch nebenbei Briefkastenfirmen betreute und Amtliches und Privates nicht sauber trennte.
1977 schlug der Chiasso-Skandal auch in Liechtenstein ein. Die SKA-Filiale hatte italienische Schwarzgelder bei der Texon Finanzanstalt in Vaduz angelegt. Die hatte dann 270 Millionen Franken hinterzogen. Daraufhin wurden in der Schweiz und in Liechtenstein erste Sorgfaltspflichten für Banken eingeführt. Was die nützen, sieht man bis heute.
1989 dann die Insideraffäre. Der Fürst Hans-Adam feuerte Christian Norgren, den VR-Präsidenten der Bank in Liechtenstein. Der hatte Insidergeschäfte getätigt, also von seinem Vorwissen über börsenrelevante Ereignisse profitiert. Neben den Sorgfaltspflichten wurde auch noch ein Marktmissbrauchgesetz erlassen.
2000 die BND-Affäre; der deutsche Nachrichtendienst beschuldigte Liechtenstein, mit dem organisierten Verbrechen in Sachen Geldwäsche zusammenzuarbeiten. Liechtenstein nahm weitere Verbesserungen an seinen Gesetzen vor.
2008 die Zumwinkel-Affäre. Nicht nur der deutsche Postchef Klaus Zumwinkel wurde überführt, in Liechtenstein einen Schwarzgeldbunker zu unterhalten. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Fürstenbank LGT hatte Hunderte von Kundendaten gestohlen und verhökert. Daraufhin bekannte sich Liechtenstein zu einer Weissgeldstrategie und trat später dem AIA bei.
2011 flog das Schneeballsystem von Michael Seidls Money Service Group auf und hinterliess ein Millionenloch. Der Verursacher wanderte in den Knast.
2012 explodiert die Steueraffäre. Die USA verschafften sich Zugang zu Kundendaten von US-Steuerpflichtigen bei der Landesbank. Die muss beachtlich viel Geld abdrücken, um aus dieser Nummer wieder rauszukommen. Für ihren Zürcher Sitz gelingt das erst 2019.
2013 das Pensionskassen-Debakel; Angestellte verdienen sich dumm und krumm, neuen Mitarbeiter werden mit goldenen Handschlägen begrüsst. Aus dem Topf der Staatsreserven müssen 300 Millionen Franken eingeschossen werden.
2019 der Treuhänderskandal. Mario Staggl greift in die Töpfe seiner Treuhandkunden, um seinen opulenten Lebensstil zu finanzieren. Dafür muss er dann 6,5 Jahre in den Knast.
Auf seinen Spuren wandeln dann weitere Treuhänder, unter ihnen sogar ein fürstlicher Justizrat.
Was fällt an dieser Liste von zehn Skandalen auf, die das Fürstentum erschütterten? Richtig, die zunehmende Kadenz. Dauerte es vom zweiten bis zum dritten Skandal noch ganze 42 Jahre, erfolgten die nächsten Einschläge immer schneller. Und schneller.
Trotz allen behaupteten Gegenmassnahmen und angeblich viel wirksameren Gesetzen. Dass sich Untreuhänder unredlich bereichern, ist geradezu zu einem Brummton geworden. Dass sie sich weiterhin für alle schummrigen Geschäfte hergeben, beweist aktuell der aufgeplatzte Skandal der Beihilfe zur Verschleierung von Vermögensverhältnissen reicher Russen.
Während aber die Liechtensteiner mit betrogenen Stiftern und Begünstigten noch einigermassen fertigwerden, legt sich das Ländle hier mit den USA an. Und mit der grössten Militär- und Wirtschaftsmacht der Welt mit ihrer Bestrafungsbehörde OFAC, gegen deren Entscheide kein Rechtsmittel möglich ist, geht man nicht ungestraft in den Clinch.
Aber wenn ein Prinzip offenbar eisern durchgehalten wird in Liechtenstein, dann dieses: ignorieren, wegschauen, verniedlichen («Einzelfälle, schwarze Schafe»), und wenn dann wirklich der Blitz einschlägt, für einen Moment aufwachen und handeln. Um anschliessend wieder in den Schlaf der Ungerechten zu verfallen.




Dass sogar die Süddeutsche Zeitung schreibt «In annähernd jedem Liechtensteiner Schwarzgeld- und Geldwäscheskandal der Vergangenheit waren Treuhänder verwickelt.»
😂😂😂
Es ist bezeichnend, dass das Land nicht mehr gegen die ständigen Skandale unternimmt. Und die Skandale, die bekannt werden, sind doch nur die Spitze des Eisbergs. Es scheint als würde man, also die Obrigkeit nicht mehr unternehmen wollen.
Der Fisch stinkt vom Kopf.
Würde man etwas gegen die ständig in Skandale tun wollen, Würde man etwas dagegen tun. Das aber ist wie es scheint nicht gewollt. Sonst hätten Der Fürst und der Erbprinz doch längst etwas getan.
Uncle Sam sollte sich mal genauer umschauen in Liechtenstein, dafür gibt es ja das OFAC und den RICO-Act.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Racketeer_Influenced_and_Corrupt_Organizations_Act
Apropos «Einzelfälle, schwarze Schafe»:
Hier sind noch mehr Skandale.
https://www.schwarzeschafe.li/2019/04/01/der-perry-case/
https://www.schwarzeschafe.li/2019/05/14/der-perry-case-teil-2/Ü
Skandal Harry Gtöhl, 12 Jahre Präsident des Liechtensteinischen Staatsgerichtshofes, ca. 50 Mio. Franken veruntreut
Skandal Mario Staggl,ca. 30 Mio. veruntreut
Skandal Norbert Seeger, grösste Rolls Royce Sammlung der Welt
Skandal Perry
Skandal Bacardi Trust
Skandal Hartlaub Stiftung
usw.
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