Liechtenstein ist neben vielem anderen das Zockerparadies Europas.

Wie mal die «Süddeutsche Zeitung» ausrechnete, kommt im Ländle auf 39 Einwohner ein Geldspielautomat, «Karten- und Roulettetische nicht mitgerechnet».

Aber auch hier geht es hemdsärmelig zu. So wurde gerade das «Plaza Casino» in Schaan zur Überraschung von Mitarbeitern und Kunden geschlossen. Aber glücklicherweise gibt es noch das «Maximus» in Schaan, das «Grand Casino Liechtenstein» in Bendern, das «Casino Admiral» in Ruggell und als letzten Neuzugang das «LV Casino» in Eschen.

Weitere drei Casinos sind geplant. Bis 2010 war Glücksspiel im Ländle verboten, aber dann entdeckte Fürst und Volk, dass man auch mit Glücksspiel Geld verdienen kann. So spült der Betrieb der Casinos jährlich zweistellige Millionenbeträge in die Staatskasse. Und was Geld einbringt, das ist das Landesmotto, kann ja nicht schlecht sein.

So ging ein leichtes Beben durch Liechtenstein, als ein munteres Trüppchen eine Volksinitiative startete, um den Wildwuchs von Casinos abzustellen – Casinoverbot. Dann wurde es einen Moment sehr fürstlich. Denn die Initianten sprachen auf dem Fürstenschloss vor. So erzählte einer der Initianten der SZ, nachdem es ihnen offenbar gelungen war, die Zweifel von Erbprinz Alois zu besänftigen:

«Wenn er kategorisch gegen unsere Initiative wäre, hätte sie auch keinen Sinn gemacht. Schliesslich muss er am Ende das Gesetz unterschreiben, damit es in Kraft tritt. Wir konnten ihn aber überzeugen.»

Denn schliesslich geht im Ländle nichts gegen den Fürstenwillen, nicht mal eine Verfassungsinitiative. Aber zur durchlauchtigsten Erleichterung wurde die Initiative 2023 mit über 73 Prozent Nein-Stimmen abgeschmettert.

So kann Liechtenstein weiterhin seinen Ruf als Zockerbude Europas behalten. Auch dass der Casinobetreiber Novomatic in Österreich in einen üblen Bestechungsskandal verwickelt ist, wird davon überstrahlt, dass beim Glücksspiel Umsätze von weit über 100 Millionen Franken pro Jahr erzielt werden. Denn wie sagte doch Hans-Adam II. so richtig:

«Die Leute, die spielen wollen, werden spielen – ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.»

Das Fürstenhaus sieht eigentlich nirgends ein riesiges Problem, wenn Geld gescheffelt werden kann. Das sahen die Initianten der IG Volksmeinung anders. Ihnen gehören nicht etwa Umstürzler, sondern wahre Honoratioren an, wie Hansjörg Frick, der Wirtschaft-, Sozial- und Gesundheitsminister des Ländles war. Ein weiteres Mitglied des Initiativkomitees fand auch klare Worte: «Wir sind eines der reichsten Länder, haben eine wettbewerbsfähige Industrie und einen anerkannten Finanzplatz, uns geht es hier wirklich sehr gut. Spielsucht zerstört ganze Familien. Dieses Geschäftsmodell ist nicht nachhaltig und unseres Staates unwürdig.»

Das sahen nun Fürst und Volk entschieden anders. Nachdem das untertänige Volk einem Verbot eine wuchtige Abfuhr erteilt hat, kann im katholischen Liechtenstein weiterhin der Spielsucht gefrönt werden. Ob wie angekündigt ein Moratorium die Eröffnung weiterer Casinos vorläufig untersagt, ob das plötzliche Aus des «Plaza Casino» ein Warnsignal ist, dass auch dieser Boom – wie zuvor der Boom von Stiftungen – zu Ende geht, man weiss es nicht.

Aber da die Anzahl Stiftungen  bekanntlich von über 45’000 im Jahr 2007 auf rund 8000 schrumpfte (das sind noch rund 18 Prozent!), müssen sich viele Treuhänder nach neuen Einkommensquellen umschauen. Ein Gang ins Casino wäre eine Möglichkeit. Sonst heisst es dann mal für einige von ihnen: rien ne va plus

11 Kommentare
  1. Gomorrha
    Gomorrha sagte:

    «Gomorrha» ist eine Stadt aus der Bibel, die aufgrund ihrer Sündhaftigkeit und moralischen Verderbtheit zerstört wurde. Es wird oft als Symbol für moralischen Verfall verwendet. Es gibt auch einen berühmten italienischen Film und eine Fernsehserie namens «Gomorrha», die das organisierte Verbrechen in Neapel darstellen.

    Ist mir gerade so eingefallen.

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  2. Anderes Spiel, gleiche Masche?
    Anderes Spiel, gleiche Masche? sagte:

    Werden da auch die ausländischen Spieler von den Croupiers übervorteilt und werden deren Jetons den Liecjhtensteiner Spielern zugeschoben, wie es bei den Stiftungen von den Richtern passieren soll?

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  3. Verständnisfrage
    Verständnisfrage sagte:

    «Dieses Geschäftsmodell ist nicht nachhaltig und unseres Staates unwürdig», tönt der ehemalige Minister? Was meint er damit? Das systematische Kapern und Dekantieren von Stiftungen?

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  4. Casino Principal
    Casino Principal sagte:

    Vielleicht sind die Casinos ja für untreue Treuhänder, die durch Kapern und Dekantieren an viel Geld gekommen sind und nicht wissen wohin damit? Musste man deswegen gleich sechs Casinos bauen?

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  5. Alois + Elvis = Alvis
    Alois + Elvis = Alvis sagte:

    Die Schweiz führt Familienstiftungen wieder ein, kein Mensch wird daher mehr eine Stiftung in Liechtenstein gründen. Zu viele Skandale um untreue Treuhänder und eine Justiz, die nicht neutral ist und mit zwei Ellen misst. Liechtenstein ändert sein Geschäftsmodell und macht jetzt mit Spielcasinos auf Las Vegas. Vielleicht satteln die Treuhänder ja um und betreiben zukünftig Wedding Chapels oder treten als Elvis-Imitatoren auf?

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  6. Non olet
    Non olet sagte:

    Fürst Hans Adam II sagte: «Die Leute, die spielen wollen, werden spielen – ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.»

    Dann sieht er vielleicht auch kein riesiges Problem, zukünftig noch zu diversifizieren und Drogenhandel und Waffenhandel zu legalisieren. Die Leute, die Drogen kaufen wollen, werden Drogen kaufen – ob nun hier oder irgendwo anders.

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  7. daniel
    daniel sagte:

    Was sagt der Fürst? «Die Leute, die spielen wollen, werden spielen – ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.»

    Na dann könnte er auch sagen: «Die Leute, die anderer Leute Gelder plündern wollen, werden plündern – ob nun hier bei einer Stiftung oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.»

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  8. Nachmacher
    Nachmacher sagte:

    Was sagt der Fürst? «Die Leute, die spielen wollen, werden spielen – ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.»
    Die Leute, die die Skandale und die unrechtmässigen Machenschaften in Liechtenstein ans Tageslicht bringen wollen, werden diese ans Tageslicht bringen – ob nun hier oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem.

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  9. Liechtenstein verspielt seine Glaubwürdigkeit
    Liechtenstein verspielt seine Glaubwürdigkeit sagte:

    Spielbanken zum Geld verspielen und Banken zum Geld anlegen passt nicht ansatzweise zusammen. Casinos haben einen schlechten Ruf und werden auch häufig zum Geldwaschen verwendet. Oder wurden die Casinos gerade dafür gebraucht?

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    • Die Null beim Roulette
      Die Null beim Roulette sagte:

      Wäre ich der Fürst, würde ich die Glaubwürdigkeit des Landes Liechtenstein auf NULL setzen. Kommt die Null, dann bekomme ich die 36-fache Glaubwürdigkeit. Sonst bleibt sie eben auf Null.

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