Wie viel ist eigentlich in Liechtenstein gebunkert?

Das ist eine gute Frage, allerdings prallt sie an den dicken Mauern der Trutzburg ab, die oberhalb von Vaduz drohend am Berg klebt und wo die durchlauchtigen von und zu Liechtenstein hausen.

Alleine von 98 Vermögensverwaltungsgesellschaften werden im Ländle rund 60 Milliarden Schweizerfranken verwaltet. Wenn man annimmt, dass so einer Verwaltung inklusive Kick-backs und einbehaltenen Retrozessionen locker 5 Prozent Profit abwirft (nein, nicht für den Kunden), dann läppert sich alleine hier ein netter Betrag von 3 Milliarden zusammen. Das sind 3000 Millionen. Damit könnte man das fürstliche Schloss vom Folterkeller bis in die Zinnen füllen.

Rund die Hälfte dieser Gelder sind in Liechtensteiner Banken angelegt, die so am Geldsegen teilhaben können.

Wie viel davon in Familienstiftungen liegt, da schweigt des Sängers Höflichkeit. Aber man hat ungefähr eine Ahnung, welche Beträge zurzeit im Feuer stehen. Oder genauer gesagt: um welche Beträge es erbitterte Auseinandersetzungen zwischen den Begünstigten und den Liechtensteiner Treuhändern gibt.

Da wäre mal der Fall Bacardí. Da sprechen wir schon mal von über einer Milliarde Euro. Mindestens. Darauf sitzen wie einbetoniert Liechtensteiner Treuhänder. Die wissen: jedes Jahr, das ins Land geht, und es sind schon viele Jahre ins Land gegangen, bedeutet fette Verwaltungsgebühren und andere Nebeneinkünfte. Wer will das schon aufgeben.

Dann hätten wir den Fall Agnelli. Da geht es gleich um rund 2,5 Milliarden Euro. Auch hier ist die Lage unübersichtlich; Erbschaftsstreitigkeiten. Glasklar ist lediglich auch hier: die Treuhänder-Stiftungsräte verdienen sich jährlich goldene Nasen an der Verwaltung.

Und schliesslich der Fall Kindler. Das Immobilienvermögen, um das es hier geht, wird von den verwaltenden Treuhändern selbst mal auf 500 Millionen, mal auf bis zu einer Milliarde geschätzt. Logisch, dass sie sich für die Misswirtschaft, die sie anstellen, pro Nase und Monat bis zu 75’000 Franken rüberschieben.

Dann gibt es noch mindestens ein Dutzend weiterer Fälle, auf die hier nicht spezifisch eingegangen werden soll. Aber auch hier beträgt der Streitwert alles in allem locker eine weitere Milliarde.

Und das sind nur Fälle, die bekannt wurden. Wie viele Stifter oder Begünstigte still leiden, weil sie sich schämen, dass man sie so schamlos übers Ohr gehauen hat, oder weil sie schlichtweg keine Handhabe sehen, sich zu wehren, weil sie kein Geld mehr haben – man weiss es nicht.

Aber nehmen wir nur die konservativ geschätzt 5 Milliarden Euro, um die es in diesen Fällen geht. Auch da läppert es sich. Bei 5000 Millionen fallen ganz, ganz konservativ geschätzt «Verwaltungskosten« von 2 Prozent im Jahr an. Das sind schon mal 100 Millionen.

Money for nothing, kann man mit den Dire Straits singen. Und das Schönste für die Nutzniesser: dass sie jemals dazu gezwungen werden könnten, dieses Geld (oder auch nur Teile davon) wieder zurückzugeben – das würde höchstens im Märchen stattfinden, wo am Schluss ein gütiger Fürst ein Einsehen hat. Aber doch nicht in Liechtenstein.

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