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Das vorletzte Unglück im Ländle

Allgemein

Wer aus der Geschichte nichts lernt …

Am 24. Januar 2006 brach ein grosses Unglück über das kleine Liechtenstein herein. Ein Mitarbeiter der Fürstenbank LGT bot dem deutschen Nachrichtendienst und US-Behörden die Daten von mehreren hundert Deutschen und anderen Staatsbürgern an, die Schwarzgeld in Liechtensteiner Stiftungen gebunkert hatten.

Das war bis zum Zahnarzt aus Düsseldorf hinunter ein probates Mittel, gewaltig Steuern zu sparen. Denn die Liechtensteiner Stiftung lässt den Stifter aussen vor; die Stiftungsräte schützen ihn mit ihrem Anwaltsgeheimnis, im Ländle selbst muss man für sonst nicht aktive Stiftungen lediglich eine lächerliche Pauschalbesteuerung zahlen.

Ein wunderbares Geschäftsmodell für alle Beteiligten. Der Steuerhinterzieher konnte ruhig schlafen und sparte Geld. Die Treuhänder verdienten sich an der Errichtung von Zehntausenden von Stiftungen dumm und krumm, indem sie Textbausteine aus dem Computer zogen, wobei das grösste Problem war, immer wieder neue Namen zu erfinden. Und nicht nur die Fürstenbank verdiente sich dämlich an der Verwaltung der Vermögen.

Proteste gegen exorbitante Gebühren, gab es kaum; der diskrete Hinweis, dass man da auch beispielsweise dem deutschen Fiskus einen Tipp‘ geben könne, Stichwort Vortat zur Geldwäsche, reichte fast immer, dass der Stifter den Mund hielt und zahlte.

Aber am 14. Februar 2008 gab es eine den Medien durchgestochene Hausdurchsuchung beim obersten Chef der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel. Hunderte von Razzien folgten. Der deutsche Fiskus strich über 600 Millionen Steuernachzahlungen ein.

Der Fürst, das Fürstentum und die Fürstenbank, die anderen Banken und die Treuhänder fanden das aber überhaupt nicht komisch. Beihilfe zur Steuerhinterziehung, na und, Kavaliersdelikt. Aber einem Kriminellen entwendete Bankdaten abkaufen, das sei eine Riesensauerei, entrüstete sich der Fürst.

Und der Erbprinz Alois von Liechtenstein empörte sich, das sei ein «vollkommen überrissener Angriff» der Bundesrepublik. Es ist aber nicht bekannt, ob er eine Mobilisierung der Schweizer Armee forderte, um ihm zu begegnen.

Das rüttelte das Fürstentum ziemlich durch, es beendete die glorreiche Karriere des Obertreuhänders Herbert Batliner. Die Zahl der Stiftungen schnurrte dramatisch zusammen, den spätestens seit dem Beitritt Liechtensteins zum Automatischen Informationsaustausch (AIA) hat die Stiftung als Steuerhinterziehermodell ausgedient.

Das hatte aber nicht nur segensreiche oder reinigende Auswirkungen. Im Gegenteil. Die Familientradition Batliner wird von seiner Tochter unter anderem Namen weitergeführt. Die gleiche Anzahl Treuhänder balgt sich um die Einkünfte aus immer weniger Stiftungen und greift dazu zu immer rabiateren Methoden.

Folge: eine nicht abreissende Reihe von Skandalen. Stifter und Begünstigte sind auch nicht mehr so leicht ruhigzustellen wie früher.Da die Gelder steuerehrlich sind, nützt der Hinweis auf eine Anzeige beim Fiskus nichts mehr, um die Gegenwehr gegen überrissene Abzockereien zu ersticken.

Und dann gibt es Überfälle, also im Sinn von gigantische Fälle, die international Aufsehen erregen. Denn trotz allen Bemühungen hat in Liechtenstein immer jemand die Finger drin, wenn es schmutzig wird. Vermögen der korrupten Herrscherclique von Venezuela, Blutdiamanten, Oligarchengeschäfte, obskurer Goldhandel, immer wieder poppt der Name Liechtenstein auf.

Oder die Fälle Bacardí oder Agnelli, wo es nicht um Millionen, sondern gar um Milliarden geht – da tauchen dann immer die gleichen Namen von Liechtensteiner Treuhändern auf, die nicht besonders treu wirken, obwohl sie den treuen Dackelblick perfekt beherrschen.

Zunächst sah es so aus, als habe Liechtenstein aus dem Steuerstreit wirklich etwas gelernt. Aber dieser Anschein trügt – wie so mancher Schein in Liechtenstein.

4. März 2024/4 Kommentare/von Treuhänder
Schlagworte: Batliner, Ermittlungsverfahren, gestohlene Kundendaten, LGT, Razzien, Schwarzgeldbunker, Steuerstreit, Stiftungen, Überfall, Verkauf
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4 Kommentare
  1. Die aktuell aus der Presse bekanntesten Treuhänder
    Die aktuell aus der Presse bekanntesten Treuhänder sagte:
    4. März 2024 um 11:17

    Dr. Bernhard Lorenz (Bacardi-Trust)
    Dr. Martin Batliner
    Philipp Wanger

    Antworten
  2. 50‘0000 bis 75‘000 Franken monatlich
    50‘0000 bis 75‘000 Franken monatlich sagte:
    4. März 2024 um 12:53

    50‘000 bis 75‘0000 Franken monatlich pro Kopf berechnen die beiden Stiftungsräte Dr. Martín Batliner und Philipp Wanger ausweislich der zahlreichen Presseberichte der von ihnen vertretenen Stiftung. Das ist ganz ganz ganz bestimmt im Sinne der von ihnen vertretenen Stiftung. Und die Liechtensteinische Justiz? Findet das „angemessen“. Wer ist hier eigentlich noch redlich?

    Antworten
  3. Abgesang
    Abgesang sagte:
    4. März 2024 um 16:09

    Wenn die Schweiz die Familienstiftung wieder einführt, dann können die Treuhänder zusammen mit ihren engen Verbündeten, den Richtern in Liechtenstein sich in den in Liechtenstein neuerdings vorhandenen Casinos bewerben.

    Antworten
  4. Durchlaucht und Sauerei
    Durchlaucht und Sauerei sagte:
    5. März 2024 um 14:14

    Dass die deutsche Finanzverwaltung CDs mit Kontodaten von Steuerhinterziehern abkaufte, das sei eine Sauerei, entrüstete sich der Fürst.
    Dass Liechtensteiner Treuhänder mit tatkräftiger Hilfe der Liechtensteiner Gerichte immer und immer wieder ausländische Stiftungsräte und/oder Begünstigte raussschmeissen und dann die Stiftungen ausplündern bzw. feiner ausgedrückt «dekantieren», darüber entrüstet sich der Fürst nicht, dabei schaut er wohlwollend zu.
    Was ist hier die Sauerei, eure Durchlaucht?

    Antworten

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