Woran merkt man, wenn man unter die Raubritter gefallen ist?

Ganz einfach. Im Mittelalter merkte das der Handelsreisende spätestens dann, wenn von der Zwingburg eine Horde von Bewaffneten auf ihn zugaloppierte und unter welchem Vorwand auch immer einen Obolus abpresste. Nach der Devise: wir beschützen dich vor einer Gefahr, die wir selbst darstellen.

Im 21. Jahrhundert geht’s oberflächlich viel zivilisierter zu. Ein nichtsahnender Bürger errichtet in Liechtenstein eine Stiftung. Wirkt doch putzig, so ein Fürstentum, wo man die Chefs tatsächlich mit S.D., seine Durchlaucht, ansprechen muss.

Aber sonst ist doch alles super. Es gibt Banken, stabil wie das Matterhorn. Es gibt Anwälte, die sehr seriös dreinschauen können. Es gibt Treuhänder, die noch viel seriöser dreinschauen können. Und alle verweisen auf ihren tadellosen Leumund, den Fürsten, die Regierung, die Stabilität, und im Ernstfall gebe es den schon noch die Justiz, aber wozu eigentlich, ist doch alles eine ehrenwerte Gesellschaft.

So eingeseift, errichtet der unschuldige Fremde in Liechtenstein eine Stiftung. Dass ein Liechtensteiner Treuhänder zwangsweise in den Stiftungsrat Einsitz nehmen muss, nun ja, putzige Sitten der Eingeborenen.

Dann stellt der unschuldige Fremde fest, dass der Liechtensteiner Treuhänder schon recht happige Gebühren abkassiert, dafür, dass er eigentlich nichts tut. Und tut er etwas, werden die Kosten noch viel höher. Seitdem ihn der Liechtensteiner Treuhänder, zu seinem grossen Leidwesen, nicht mehr damit einschüchtern kann, dass er ihn bei dessen lokaler Steuerbehörde verpfeife, sind die Sitten aber rauer geworden.

Konnte sich früher der Treuhänder dumm und krumm verdienen, indem er einfach eine von Tausenden von Stiftungen aufsetzte, unterhielt und jährlich eine Stunde Arbeit drauf verwendete, was dann pro Stiftung mit netten 10’000 Franken aufwärts zu Buche schlug, money for nothing, ist heutzutage der Existenzkampf viel rauer geworden im Ländle.

Aus reiner Not, denn wer verzichtet schon gerne auf problemlos verdiente Millionen im Jahr, verwandelten sich die noblen Liechtensteiner Treuhänder in schimmernder Rüstung in hundskommune Raubritter. Sehen sie eine Chance dafür, dekantieren sie eine Stiftung. Schmeissen den Begünstigte aus dem Stiftungsrat. Nehmen ihm seine Begünstigung weg.

Aber gegen Raubritter konnte man sich sogar im Mittelalter wehren, indem man beim König sein Leid klagte. Aber in Liechtenstein gehört zu den Raubrittern eine Raubritterjustiz. Wehrt sich jemand gegen diese Bereicherung im Raubritterstil, sagt das fürstliche Raubrittergericht: Moment, Herr Kläger, sie sind doch nicht mehr Stiftungsrat. Sie sind auch nicht mehr Begünstigter. Und nun wollen sie dagegen klagen? Aber mit welchem Rechtstitel? Sie haben doch überhaupt nichts mehr mit dieser Stiftung zu tun, also belästigen Sie die fürstliche Justiz doch nicht mit solchen untauglichen Beschwerden.

Und die Liechtensteiner Raubritter lachen so laut und anhaltend, dass ihre Rüstung scheppern würde. Hätten sie sie nicht schon längst mit Anzug und Krawatte vertauscht. Die neue Rüstung moderner Raubritte.

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