Wir stellen vor: die Liechtensteinische Treuhandkammer.

Die Zielsetzung ist edel: «Die Liechtensteinische Treuhandkammer (THK) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Ihr obliegen die Wahrung der Ehre, des Ansehens und der Rechte wie auch die Überwachung der Pflichten des Treuhänderstandes.»

Ehre, Ansehen und Rechte, das ist schon mal gut. Überwachung der Pflichten des Treuhänders, das ist noch besser.

In den «Amtsmitteilungen» berichtet die Treuhandkammer über die neusten Sanktionen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Auch das ist vorbildlich.

Dann wird uneigennützig Werbung in eigener Sache gemacht: «Die Liechtensteiner Stiftung – nachhaltige Vermögenssicherung.»

Wie es sich für eine Kammer gehört, hat sie einen Vorstand und eine Geschäftsstelle. Präsidiert wird der Vorstand durch Angelika Moosleithner. Gleichzeitig ist Moosleithner Mitinhaberin und Member of the Group Board der First Advisory. Die First Advisory Group wiederum ist «ein führendes, unabhängiges Finanzdienstleistungsunternehmen mit Geschäftsstellen in Vaduz, Zürich, Genf, Hongkong und Singapur». Hier werkeln über 200 Mitarbeiter ausschliesslich im Dienste der Kunden und zwecks Mehrung deren Vermögen.

Oder so.

Dann heisst es noch auf der Webseite: «Die traditionsreiche Unternehmensgruppe wurde 1954 als Anwaltsbüro mit Sitz in Vaduz gegründet». Die Firma ist so diskret, dass sie ihre Wurzeln etwas im Nebel der Geschichte verschwinden lässt.

Aber ein diskreter Hinweis hilft schon mal: die Mitbesitzerin heisst mit vollem Namen Angelika Mossleithner-Batliner. Nun gibt es im Ländle viele Batliners, aber nur einen Herbert Batliner, dessen Tochter sie ist. Über Jahrzehnte dominierte Herbert Batliner das liechtensteinische Treuhandgeschäft. Seine Karriere endete eher unrühmlich, weil er die Zeichen der Zeit nicht erkannte: Ein Verfahren der deutschen Staatsanwaltschaft wegen Beteiligung an Steuerhinterziehung in Höhe von 250 Millionen Euro wurde 2007 gegen eine Zahlung von 2 Millionen Euro eingestellt. Und der Liechtensteiner Staatsgerichtshof, dem Batliner einst selbst vorstand, qualifizierte in einem Urteil von 2009 Zuwendungen aus einer Stiftung an Batliner als «sittenwidrige Geschäfte».

Die Familientradition wird von seiner Tochter Angelika Moosleithner-Batliner fortgeführt. Sie ist Mitbesitzerin der in First Advisory umbenannten Batliner-Firma. Im Jahr 2009 schluckte First Advisory zudem die LGT-Treuhand; die Fürstenbank LGT zog sich damals aus dem ins Feuer geratenen Treuhandgeschäft zurück. Heute ist First Advisory der Platzhirsch unter den Finanzdienstleistern im Ländle.

Die Amtswege sind dabei sehr kurz im Ländle mit seinen 38’000 Einwohnern. So sassen im Vorstand auch Seine Durchlaucht Prinz Michael von und zu Liechtenstein sowie Johannes Gasser. Gasser wiederum war einst Partner von Batliner Senior und führt inzwischen als Gasser Partner die Geschäfte weiter.

So wie First Advisory die LGT-Treuhand geschluckt hatte, verleibte sich Gasser die CS-Tochter im Ländle ein, deren Treuhand- und Stiftungsgeschäft mangels CS etwas verloren herumstand. Sozusagen der zweite Platzhirsch im Ländle, neben Marxer als drittem.

Gasser ist zudem vielbeschäftigter Anwalt, als solcher die erste Wahl für Moosleithner-Batliner, sollte es juristische Probleme geben. Und die gibt es im Ländle nicht zu selten, denn um die Ehre und das Ansehen der Treuhänder war es auch schon mal besser besteht. Oder eben nicht, wenn man sich an das Schicksal von Batliner Senior erinnert.

Sehr speziell ist auf jeden Fall, dass sich in der Treuhandkammer die Treuhänder selber überwachen, dafür sorgen sollen, dass sie ihren Pflichten nachkommen. Das nennt man den Bock zum Gärtner machen …

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