Wie wird der Chef eines Kleinstaats vielfacher Milliardär?
Vielleicht nicht unbedingt wegen seines lockeren Mundwerks. So keilte der damals noch aktive Hans-Adam II. nach dem Steuerstreit mit Deutschland kräftig aus und nannte die Bundesrepublik «das vierte Reich». Das sein dann im Fall nur seine private Meinung, ruderte Liechtenstein nach entsprechendem Gegenwind zurück.
Auf jeden Fall ist der Fürst unter anderem Besitzer der Privatbank LGT Group, von der er einen hübschen Batzen seines Vermögens (natürlich steuerfrei, Noblesse oblige) bezieht. Unter den reichsten Royals der Welt reicht es immerhin zum 5. Platz. Natürlich ist das alles, typisch Liechtenstein, in eine Stiftung eingepackt.
Die besitzt auch noch ein hübsches Immobilienportefeuille in Österreich, ist an einigen Unternehmen beteiligt und hält eine der grössten privaten Kunstsammlungen der Welt. Alleine die LGT managt Kundenvermöge von über 300 Milliarden Schweizerfranken.
Alles für den Fürschten, dessen vollständiger Name übrigens lautet: Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marco d’Aviano Pius Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein.
Die Fürschtenfamilie schwamm nicht immer im Reichtum; so musste Franz-Joseph II, der Papa des aktuellen Fürschten, immer wieder Werke aus der familieneigenen Kunstsammlung verhökern, um dem Bankrott zu entgehen. Aber Hans-Adam II. ging nicht der Jagd oder anderem Müssiggang nach, sondern studierte an der HSG in St. Gallen. Daraufhin sanierte er die fürstlichen Finanzen, in erster Linie die LGT. 2004 hat er die Staatsgeschäfte seinem Sohn Alois von und zu Liechtenstein übertragen, dem Erbprinzen.
Prinz Maximilian von und zu Liechtenstein leitet inzwischen durchlauchtig das fürstliche Finanzhaus.
Aber das Allerschönste für die Fürstenfamilie ist: ihre Stiftung wird niemals in Gefahr geraten, dass sie von ungeratenen Untreuhändern zweckentfremdet wird. Dekantieren, beklauen, sich grössere Brocken selbst zuschustern? Niemals bei dieser fürstlichen Stiftung.
Denn in der Trutzburg oberhalb von Vaduz gäbe es für solche Fälle sicherlich noch ein paar Verliesse und Einrichtungsgegenstände, die selbst dem abgebrühtesten Untreuhänder den Angstschweiss ins Hemd tropfen liessen.




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